Montag, 16. Januar 2006

Paint a vulgar picture

amy Im Moment mag ich Zeichnungen. Ab März gibt´s bei Hatje Cantz 112 Seiten in Leinen mit 72 Bildern von Amy Cutler: "Inspiriert von so disparaten Quellen wie den Medien, Märchen, Survival-Handbüchern, persischen Miniaturen oder Buchillustrationen aus dem 19. Jahrhundert und angeregt durch persönliche Erfahrungen oder Tagesereignisse, kreiert Cutler fein ziselierte Szenerien und Dramen um Frauen, Tiere und Hybridwesen." Bilder zum angucken. Und ein ein bisschen älteres Interview mit Madame:" I tend to latch on to random stories and the imagery. Recent scientific experiments, like the one where they grew a human ear off of a pig’s back or genetically crafted hybrid mice really inspire me. I am full of those stories. I could be the town freak with all her creepy tales but instead I paint."

Country boys

boysDokumentarfilmer David Sutherland hat einen 6 Stunden Film über Cody Perkins und Chris Johnson gedreht. Die beiden Teenage Boys kommen aus einem der letzten amerikanischen Löcher - Appalachian Kentucky, haben einen Haufen Probleme und ein doofes Leben:

"Although wired to the world via the internet and cable, they are deeply rooted in a region stigmatized as "other," where the lack of economic opportunity puts its youth under uncommon pressure. The film follows them over three years, from ages 15 to 18, examining what it means to come of age in Appalachia.

Cody Perkins is an orphan. His mother's postpartum suicide left him in the care of his father, who, twelve years later, killed his seventh wife before turning the gun on himself. After being passed among relatives, Cody chooses to live with his former step-grandmother, who opens her heart and home to the lost youth. Cody's hand-picked family also includes his girlfriend, Jessica, and her parents, Ray and Tammy. The director of several local mines and a country singer, Ray becomes an iconic father figure for both boys.

Chris Johnson lives in a trailer with his mother, his father, two siblings and his grandmother. With both parents often absent, Chris, the eldest, finds himself thrust into the role of caretaker- emotionally supporting his siblings even as his meager SSI check and string of low-paying jobs financially support the family.

Over six hours of television, Country Boys will traverse the emotional terrain of the boys as they journey to adulthood, struggling to overcome the dysfunction and poverty of their youth and in so doing come to a place of meaning and direction.

For Cody, that sense of belonging is found through his heavy metal Christian band, his faith in God and his relationship with his girlfriend Jessica. Chris, however, struggles to find similar comfort. Torn between devotion to his family and commitment to education, he searches, often in vain, to find a path where he can meet his familial responsibilities without losing his sense of self." Das hört sich nach sehr großem Kino an. Allumfassende Informationen gibt´s hier. Ob und wann der Film mal in Europa läuft - bislang unklar.

Weissclown mit der verbogenen Klarinette

"Christof Schlingensief ist wohl" nach Angaben des MDR "der streitbarste und umstrittendste Vertreter des deutschsprachigen Medien- und Kulturbetriebs." Was für ein toller Titel. Und was für ein läsiger Job: Vertreter.

Tex Rubinowitz hackt in der Riesenmaschine ein bisschen auf ihm rum:" Es ist tragisch mitanzusehen, wie ein lustiger Bub wie Christoph Schlingensief so ganz ohne künstlerische Visionen versucht, irgendeine relevante Kunst zu machen, die wenigstens ein bisschen Innovation atmet. Aber es geht und geht nicht, heraus kommt immer das, was dem Hofnarren auch eingefallen wäre, wenn der König müde war, die üblichen "Provokationen" halt, ein paar Purzelbäume, Taschenspielertricks und eine ulkige Stimme....hier droht nicht DAS NEUE, DAS UNBEKANNTE, DAS UNHEIMLICHE, DAS HEHRE, DIE KUNST, hier droht allenfalls ein lärmender Kindergeburtstag, um 8 kommt dann der Clown Christoph mit den grossen Schuhen."

Beim Blick auf die Internetseite von Schlingensief (Eigenbetitelung: Protestkünstler, Film- und Theaterregisseur) bekommt man eher den Eindruck, dass es sich bei Schlingensief inzwischen mehr so um eine Art straff geführtes Kulturunternehmen im Namen des Christoph handelt. Inkl. Ticker und Shop (+ Die Schlingensief Shop Partner für Vertrieb und Verleih ) und Archiv (Ein erster Versuch eines umfangreichen Schlingensief Werkverzeichnisses) und Newslog. Ist immer irgendwann Schluß mit dem Neuen, Unbekannten, Unheimlichen, Hehren, usw? Muss das immer so sein: Gastprofessur, Ankunft, Versuch der Aufrechterhaltung von Skandalnudelei und Achtung, Achtung Protest und dann noch eine Gastprofessur, und dann und so weiter. Im Gästebuch steht so ein Eintrag:" Lieber Christoph ! du interessiertst mich einfach nicht mehr ! EL"

Montag, 9. Januar 2006

Hi freaks

janke

Ganz schön viel Anormale, Irre und Freaks in der Journaille. Nach dem "Die Nervtöter"-Beitrag in der Süddeutschen vom 5./6., gibt es auch bei den Literaturen vom Januar/Februar ein ellenlanges Stück "Des Wahnsinns fette Beute". Und weil es gerade nichts zu tun gibt, clicke ich da so rum, stoße auf Roy Porters Kulturgeschichte des Wahnsinns, bin dann auf einmal bei der Sammlung Prinzhorn und bei August Natterer und erst dann fällt mir wieder Karl Hans (Joachim) Janke ein. Über den schizophrenen Künstler und Erfinder gab es 2003 im Künstlerhaus Bethanien eine Ausstellung und eine kleine handvoll Artikel und einen Katalog den ich nicht habe.

"Die Diagnose der Ärzte lautete chronisch paranoide Schizophrenie, das Symptom seiner Erkrankung sei wahnhaftes Erfinden...Janke selbst verstand sich als Erfinder, Ingenieur und Künstler und hinterließ mehr als 2500 Zeichnungen von nuklear betriebenen Raumschiffen und komplizierten Triebwerken, versuchte sich an der Entwicklung von Rasierklingenschärfern oder Eistabletten mit Fruchtsaft...Um seine Ideen umzusetzen, korrespondierte Janke derart überzeugend mit volkseigenen Betrieben (DDR), dass diese ihn zunächst ernst nahmen. Die staatliche Interflug etwa - der Janke die Patentmeldung für sein Raum-Trajekt Venusland zusandte - forderte ihn 1966 auf, bei der Abfassung der Unterlagen behilflich zu sein..." SZ (6.6.2003) Bilder von den Trajekten, Maschinen und dem Weltall hier. Natürlich kann man auch gleich Art Brut hören. Oder versuchen rauszufinden, was die Herren des KHJK so vorhaben. Zu lesen lohnt sich auf jeden Fall noch diese Besprechung des Films "Freaks" von Tod Browning 1932. Also eigentlich nur wegen des ersten Satzes bis zum Komma.

Bigger, better, faster, stronger

An zwei Tagen in Folge zufällig im Guardian gefunden. Warum haben die Engländer immer wenn es um irgendwas mit Pop usw. geht eine Berichterstattung mit der Nase ganz vorne? Und warum gibt es sowas nicht in Deutschland?

Excuse me, were´t you in the Fall?
Mark E Smith's band is legendary for its ever-changing line-up. Dave Simpson made it his quest to track down everyone who has ever been a member


Was für eine ganz herrliche Idee und was für ein ganz herrliches Ergebnis. 40 komische Leute mit einem Chef der für unterwegs neue Mitglieder in die Band aufnimmt, weil er sie dann von unterwegs wieder nach Hause schicken kann; einem 15-Jährigen der einen Zettel unter die Tür des Idols schiebt (You´re my hero. Erveryone else is rubbish. Maybe when i´m of legal drinking age, we could go for a drink?); einem Gitarristen, der später Geheimagent wird und einem Haufen anderer, die man erstmal treffen muss.

What? You call this music?
'What does a record collection say about its owner? We asked eight very different musicians to swap iPods. No one knew whose tunes they were listening to, but that didn't stop them from guessing - and making some rather harsh judgments ...

Sehr schlichte Idee eigentlich. Aber schönes Ergebnis. Nimmt man einfach The singer-songwriter, The classical singer, The dance act, The folkie, The grime star, The heavy metal kid, The R&B rapper, The indie rocker. Und das Ergebnis: I must confess to being absoluely baffled and bewildered. Natürlich kann man auch gleich zu David Cameron - dem süßen Toryboy (wow noch was für die Kollektion: tom, toy oder tory und dann den boy) - gehen und an seinem iPod drehen: Discussing his iPod selection on Radio One's Colin and Edith Show, he acknowledged that his taste was influenced by 1980s indie and Britpop. "Because I'm 39 there's The Smiths, Radiohead, Pulp, Blur - all that quite gloomy music." Gibt es eigentlich einen deutschen John Harris? Gibt es irgendeinen Schreiberling in Deutschland der seine Frisur 2006 thematisiert? Warum nicht?

Donnerstag, 5. Januar 2006

Tomboy Toyboy

"Kate Moss gefällt der leicht androgyne Jünglings-Look von Jamie Burke, der auch schon als Model arbeitete, aber eigentlich Rockstar werden will." (Bunte)

"Ein Milchbubi-Gesicht mit halblangem Haar, Nasenring und Ambitionen auf eine Karriere als Sänger. Ein Kerl aus gutem Stall." (Bild)

"Moss` Mutter ist begeistert" (n-tv)

kate

Montag, 2. Januar 2006

Tagging

Im Guardian schreibt Jeff Jarvis - ein sogenannter media consultant - heute über "Tagging - the latest way to search the web". Dass der heiße Scheiß nicht mehr ganz so heiß ist? Egal. Mein persönliches Problem bei diesen tollen Tags ist das Nicht-vorhanden-sein von akkuraten Begrifflichkeiten, die den zu vertaggenden Kram akkurat um- bzw. beschreiben. Auch die Labels die jetzt.de da jetzt hat leuchten mir nicht so ganz ein. Wenn ich 2005 Erwähnenstwertes vertaggt hätte, dann wären das fast ausschließlich Eigennamen gewesen. Namen von Leuten, die das zu Erwähnende fabriziert, weitergesagt oder beschrieben haben. Also mal so ungefähr zum Beispiel: Doherty, Moss, LaBruce, Oehlen, Fock, Helmut Krausser, Horst Buchholz, Wolfgang Büscher, Max Küng, Edith Sitwell, Jean-Philippe Toussaint, Loretta Lux, Diedrichsen, Poschardt, John Peel, Ernst Jünger, Gunter Sachs, von Uslar, Kate Bush, Hildegard Knef, Chloe Sevigny, Robert van Ackeren, Delon, Sasha Waltz, Proust, Go-Betweens, Arnold Bennett, Jarvis Cocker, Bidault-Waddington, Alan Hollinghurst undsoweiter wie auch immer... Begrifflichkeiten wie Krieg, Einsamkeit, Heimatfilm oder Pop sind ja wohl ein bisschen zu weit geraten, um damit sinnvoll zu hantieren. Oder was?

P.S. OK. Es liegt wohl an den Schukartons in denen ich im Moment Zeitungsschnipsel und Schmierzettel sammle. Habe gerade eben nochmal den lesenswerten Artikel "WEB 2.0 Folksomy" auf den Seiten der DE:BUG gelesen...

Maskottchen

willie juanito pitundpat 1982

Eigentlich Bedarf es keines Hinweises darauf, dass die für PR verantwortlichen Herren des Deutschen Fuballbundes wahnsinnig sind. Die Namenssuche für das neue Maskottchen, das "-anders als das WM 2006-Maskottchen Goleo - langfristig als Kommunikationsfigur für alle Länderspiele der Frauen-, Männer- und Nachwuchs-Nationalmannschaften eingesetzt" werden wird, soll allerdings nicht unerwähnt bleiben. Denn: "Der DFB hat bereits eine Vorauswahl getroffen und stellt folgende vier Namen zur Wahl:" Achtung festhalten!

Butzie Horst Knipsi Paule

Sensationell. Und weil das so schön ist, hier noch ein bisschen Text zu Goleo VI, dem sympathischen Löwen:" Er lebt, spricht und denkt. Natürlich hat er auch seinen eigenen Kopf, denn man kommt ja schließlich nicht als Maskottchen auf die Welt. GOLEO VI hat ein großes Ziel vor Augen und diesem ordnet er sein Tun und Handeln unter. Er will die FIFA WM 2006™ zu einer großen, fröhlichen und unvergesslichen Party machen und als "Partylöwe" mit den Fussballfans aus aller Welt vier Wochen lang zusammen feiern, singen und tanzen. Dabei hat er die Ruhe weg, und diese Eigenschaft wird ihm noch sehr nützlich sein, denn der plötzliche Starrummel um seine Person ist schon jetzt sehr groß: Der smarte Löwe schaut von Titelseiten, aus Schaufenstern und Bildschirmen, er ist ein gefragter Bühnengast und arbeitet inzwischen schon an seinem eigenen Musikalbum!" Früher war alles besser.

Ladism 06

Im Regionalexpress von Bonn nach Köln sitzen um 17:23 zwei deutsche Burschen. Sie tragen unförmige Statussymbol-Lederjacken - natürlich offen -, der eine zwei(!) etwas zu große weiße T-Shirts, der andere einen verwaschenen Rundhalswollpullover, dazu Jeans (Levis 501, mittelhelle Waschung, vielleicht 1990?), Turnschuhe ( silberne(!) Superstars von adidas) mit schon sehr oft getragenen leicht abgeribbelten etwas zu dicken grauen Tennissocken. Accessoires: Silberring mit Drachenflügeln, Silberkette am Hals, Kette zwischen Geldbörse und Gürtelschlaufe, Ohrring (natürlich im linken Ohr - "cool, nicht schwul"). Beide tragen diese runden Wollmützen. Der eine schmückt sein bleiches Gesicht mit einem kleinen rotblonden Ziegenbart. In der Hand: Vanillemilch-Plastikflaschen von Müllermilch. Themen: "Kneipe" - original dieses Wort fällt, "Disco", "Freunde" und "Frauen". Mustergültige Repräsentanten einer Lad-Spezie. Protagonisten eines Mike Leigh Films. Bestes Indiz für das Fortbestehen genretypischer Kleidung in den allerdiversesten Kontexten. Gernau die gleichen jungen Herren sitzen auch in der Pizzeria Toni in der Paderborner Marienstraße - da kommen sie allerdings entweder aus Polen oder dem Vereinigten Königreich. Immer wieder erstaunlich wie maßstabsgetreu vor allem osteuropäische männliche Jugendliche Kurzhaarschnitte, Kleidung und Attitüde von der englischen Arbeiterklassejugend übernommen haben.

P.S. Natürlich auch der herrlichste Hinweis darauf, dass sich so ein Jahreswechsel gar nicht auswirkt. Auf nichts. Außer auf den Kalender. Und 2005? "The end of the something i did not want to end, Begining of hard times to come. But something that was not meant to be is done, And this is the start of what was." So ungefähr. Komprimiert von Mike Skinner - noch ein lad.

Donnerstag, 29. Dezember 2005

Die Nonchalance der Mods

Nochmal alte Magazine blättern. Mein erstes Tempo-Heft. September 1992. Tyler Brulé schreibt über Sandra Bernhard. Moritz von Uslar schreibt über EMF. Und Christian Kracht berichtet vom Ende der Welt in Somalia. Seiten später bespricht er noch eine Definition Of Sound Platte. Und das geht so:

hund"Spätestens seit jeder halbwegs modebewußte Stadtzeitschriften-Redakteur Gucci-Schuhe hat und dazu Hemden von Fred Perry und enge Cordhosen trägt, dürfte Menschen mit Kultur klar sein: Mods sind blöde. Und Zwirbelbärtchen unterm Kinn sind am blödesten. DasDuo Definition Of Sound aus London, dessen Platten von zwirbelbärtigen Barkeepern in deutschen Pseudo-Mod-Bars ebenso gerne gespielt werden wie die von Galliano und Pressure Drop, zeichnet sich auf seiner zweiten LP, "The Lick", durch die gleiche blöde Einfallslosigkeit aus. Den langsamen und coolen Ultra-Grove, diese verhaltene, in die Knie zwingende Lässigkeit geht ihnen völlig ab. Und die Nonchalance der Mods, die sollten Definition of Sound lieber denen überlassen, die etwas davon verstehen. Macht aber nichts, wenn das mal wieder keiner erkennt. Dieses Zeug hier, dieses ganze Reggae-Hip-Hop-Soul-Crossover, das wird ja genau von denen konsumiert, die gar nichts wissen. Also lieber Mod: Kauf dir die Neue von Definition Of Sound."

P.S. Habe bei der Kurzrecherche fast überhaupt garnichts über den Begriff Schnösel im Internet gefunden. Schade. Das ist nämlich ein ganz herrlicher Begriff. Ugs. für: dummfrecher junger Mensch kann ja wohl nicht alles sein. Außerdem war Kracht 26 als er da bei der Tempo war. Das ist nicht mehr wirklich jung.

Trend Monitor

Gestern abend in der Rubrik Trend Monitor des Wiener Magazin - Alle Trends der Welt - Dezemberausgabe 1992 gefunden: "+++ Rückkehr der Turnschuh-Klassiker. Leisetreter der alten Schule erleben derzeit in New York und Los Angeles ein Revival. Statt auf Graphit oder Luftkissen läuft man auf nostalgischen Sohlen und bindet ganz normal seine Schnürsenkel. Beliebte Modelle sind Puma Clydes und Adidas Superstar. In Deutschland sind die Oldies noch nicht gesichtet worden." 13 Jahre später ist jetzt mal bitte endlich Schluß damit! Selbst wenn Herr Ian Brown zum 35. Geburtstag der Superstar-Schuhe mit einer personalisierten Variante aufwartet - $219,99. Die Red Hot Chili Peppers kriegt man schon für $209,99. Die dicke Missy Elliot kostet nur $139,99. Damit lässt sich dann sehr relaxed auf dem Beifahrersitz des VW Golf Rolling Stones ( gebraucht: $1600) Platz nehmen. Da geben sich die Generationen dann die Hand.

ian4 ian2 ian-2 ian-3

"So werden die Subkulturen fortwährend wiedereingegliedert und die zerbrochene Ordnung wiederhergestellt. Am Ende tauchen die ehemals abweichenden Regelbrecher als unterhaltsames Schauspiel in der vorherrschenden Mythologie (aus der sie ja zum Teil hervorkamen) reintegriert wieder auf: als Narren, als Andersartige oder als Feinde. Der Prozeß der Wiedereingliederung hat zwei Formen: erstens die Verwandlung subkultureller Zeichen (Kleidung, Musik etc.) in massenhaft produzierte Objekte (die Warenform) und zweitens die Etikettierung und Umdefinierung abweichenden Verhaltens durch die herrschenden Gruppen - Polizei, Medien, Justiz (die ideologische Form)." Dick Hebdige, Subculture - Die Bedeutung von Stil

Dienstag, 27. Dezember 2005

Painter Man

das bild zeigt einen mann mit gleichem namen. mit proust hat er aber nix am hut Heute in der FR. erinnert Ina Hartwig an George Painters wegweisende Proust-Biografie von 1965: "Im Juni 1895 begann ein tragikomischer Abschnitt in Prousts Leben: er wurde Bibliothekar." Diesen tadellosen Satz schrieb einer, der es in dieser Profession ein bisschen länger, ja sehr lange ausgehalten hat: George Painter nämlich, der erste umfassende Biograph Marcel Prousts. Nach einem Studium der Altphilologie in Cambridge schob der 1914 geborene Painter Dienst am Department of Printed Books des Britischen Museums. Als 1959 der erste Band seiner Proust-Biographie erschien - der zweite folgte 1965 -, da verzeichnete die Autornotiz, "gegenwärtig" arbeite Painter "an einer Biographie Chauteaubriands", die dann 1977, also 18 Jahre später, tatsächlich erscheinen sollte. Damit wäre hinreichend belegt, dass dieser britische Gentleman die französische Literatur besonders liebte, dass er fleißig neben seinem Hauptberuf des Bibliothekars sich dem Verfassen hochmögender Lebensgeschichten widmete und sich dennoch, in the long run, nicht verzettelte... Inzwischen sind viele weitere Biographien zu Proust entstanden, es wurde die Korrespondenz berücksichtigt, die Automobiltechnik und die Psychoanalyse, aber niemand hat mehr so unbefangen über dieses Leben geschrieben wie Painter. Er war von der Idee erfüllt, in jeder Figur der Recherche ein bis zehn Vorbilder nachzuweisen; Painter war - man kann es nicht anders sagen - vorbildbesessen. P.S. Der Mann auf dem Bild heißt zwar genauso, hat mit Proust aber nix am Hut. Dafür wurde er am 26. Januar 1884 in Chicago gehängt.

Evidence of Adventure

ladies

Irgendwo auf den letzten Seiten unten in einem Magazin war eine Werbung von der Berliner Gallerie die im Moment Jen Rays Illustrationen unter dem EinsA-Titel "Evidence of Adventure" ausstellt. Das sehr schöne Bild zu dem Hinweis zeigt einen Bären und eine Frau. Das Bild heißt auch so und ist sehr hübsch. Keine Ahnung wieso genau. Erinnert mich an ein Kinderbuch von Gina Ruck-Pauquet. Oder an irgendwas anders. Das schreibt der Katalog:

"Jen Rays Arbeiten stellen Bezüge zu den von Erotik, Sex und Gewaltphanatsie geprägten Modefotografien von Guy Bordin her. Darüberhinaus findet der Betrachter in ihnen Verweise auf die psychosexuellen Zeichnungen von Rudolf Schlichter sowie die mondänen „Justine“ Comics von Guido Crepax. Oftmals erwecken die opulenten, detailverliebten und mit feinem Strich ausgeführten Papierarbeiten auch Erinnerungen an eine Glam-Rock-Ästhetik der 70er Jahre. Insignien wie Kostümierung und Maskerade, sexuelle Transparenz und Überschreitung sind dabei von besonderer Bedeutung."

Montag, 26. Dezember 2005

The Greatest

catpower Mario sagt das so lapidar am Telefon. Wie immer. In einem Nebensatz. Das neue Catpower-Album. Nicht drauf gewartet. Ab und zu "I found Reason" gehört. Seit einem Konzert in Köln. Seit einem Interview-versuch in diesem Backstageraum vom Gebäude 9. Da war sie sehr sehr betrunken, hat irgendeine Geschichte von irgendeiner Familie erzählt, war barfuß in Cowoboystiefeln, hat Whiskey getrunken, hat sich einen Pickel mit schwarzem Kajal übermalt. Draussen in einer Ecke kauerte ein junger trauriger deutscher Popstar und wartete auf sie. Und war sehr verwirrt und sehr verliebt. Das Konzert dauerte viel zu lange. Eigentlich war niemand mehr da als es irgendwann zuende war. Ich habe ein Plastikfeuerzeug von diesem Abend. Mit einem Elefanten drauf. Das hat mir Madame geschenkt. Allerdings hat sie es auf der Bühne später vermisst und geflucht. Egal. Dieser Titelsong ist super. Mein erstes Post-Weihnachtslied. Meine erstes Zwischen-den-Jahren-Lied. Mein erstes Lieblingslied für 2006.

P.S. Warum eigentlich immer gleich *Greatest*. Wegen diesem schönen Beiklang - of all Times? Wegen Schmetterlingsgetrappel im Ring? Wegen nachcolorierten Boxfotos? Und wer ist größer? Ian Brown.TheGreatest oder Catpower.TheGreatest? Hauptsache Musik?

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