Montag, 2. Januar 2006

Tagging

Im Guardian schreibt Jeff Jarvis - ein sogenannter media consultant - heute über "Tagging - the latest way to search the web". Dass der heiße Scheiß nicht mehr ganz so heiß ist? Egal. Mein persönliches Problem bei diesen tollen Tags ist das Nicht-vorhanden-sein von akkuraten Begrifflichkeiten, die den zu vertaggenden Kram akkurat um- bzw. beschreiben. Auch die Labels die jetzt.de da jetzt hat leuchten mir nicht so ganz ein. Wenn ich 2005 Erwähnenstwertes vertaggt hätte, dann wären das fast ausschließlich Eigennamen gewesen. Namen von Leuten, die das zu Erwähnende fabriziert, weitergesagt oder beschrieben haben. Also mal so ungefähr zum Beispiel: Doherty, Moss, LaBruce, Oehlen, Fock, Helmut Krausser, Horst Buchholz, Wolfgang Büscher, Max Küng, Edith Sitwell, Jean-Philippe Toussaint, Loretta Lux, Diedrichsen, Poschardt, John Peel, Ernst Jünger, Gunter Sachs, von Uslar, Kate Bush, Hildegard Knef, Chloe Sevigny, Robert van Ackeren, Delon, Sasha Waltz, Proust, Go-Betweens, Arnold Bennett, Jarvis Cocker, Bidault-Waddington, Alan Hollinghurst undsoweiter wie auch immer... Begrifflichkeiten wie Krieg, Einsamkeit, Heimatfilm oder Pop sind ja wohl ein bisschen zu weit geraten, um damit sinnvoll zu hantieren. Oder was?

P.S. OK. Es liegt wohl an den Schukartons in denen ich im Moment Zeitungsschnipsel und Schmierzettel sammle. Habe gerade eben nochmal den lesenswerten Artikel "WEB 2.0 Folksomy" auf den Seiten der DE:BUG gelesen...

Maskottchen

willie juanito pitundpat 1982

Eigentlich Bedarf es keines Hinweises darauf, dass die für PR verantwortlichen Herren des Deutschen Fuballbundes wahnsinnig sind. Die Namenssuche für das neue Maskottchen, das "-anders als das WM 2006-Maskottchen Goleo - langfristig als Kommunikationsfigur für alle Länderspiele der Frauen-, Männer- und Nachwuchs-Nationalmannschaften eingesetzt" werden wird, soll allerdings nicht unerwähnt bleiben. Denn: "Der DFB hat bereits eine Vorauswahl getroffen und stellt folgende vier Namen zur Wahl:" Achtung festhalten!

Butzie Horst Knipsi Paule

Sensationell. Und weil das so schön ist, hier noch ein bisschen Text zu Goleo VI, dem sympathischen Löwen:" Er lebt, spricht und denkt. Natürlich hat er auch seinen eigenen Kopf, denn man kommt ja schließlich nicht als Maskottchen auf die Welt. GOLEO VI hat ein großes Ziel vor Augen und diesem ordnet er sein Tun und Handeln unter. Er will die FIFA WM 2006™ zu einer großen, fröhlichen und unvergesslichen Party machen und als "Partylöwe" mit den Fussballfans aus aller Welt vier Wochen lang zusammen feiern, singen und tanzen. Dabei hat er die Ruhe weg, und diese Eigenschaft wird ihm noch sehr nützlich sein, denn der plötzliche Starrummel um seine Person ist schon jetzt sehr groß: Der smarte Löwe schaut von Titelseiten, aus Schaufenstern und Bildschirmen, er ist ein gefragter Bühnengast und arbeitet inzwischen schon an seinem eigenen Musikalbum!" Früher war alles besser.

Ladism 06

Im Regionalexpress von Bonn nach Köln sitzen um 17:23 zwei deutsche Burschen. Sie tragen unförmige Statussymbol-Lederjacken - natürlich offen -, der eine zwei(!) etwas zu große weiße T-Shirts, der andere einen verwaschenen Rundhalswollpullover, dazu Jeans (Levis 501, mittelhelle Waschung, vielleicht 1990?), Turnschuhe ( silberne(!) Superstars von adidas) mit schon sehr oft getragenen leicht abgeribbelten etwas zu dicken grauen Tennissocken. Accessoires: Silberring mit Drachenflügeln, Silberkette am Hals, Kette zwischen Geldbörse und Gürtelschlaufe, Ohrring (natürlich im linken Ohr - "cool, nicht schwul"). Beide tragen diese runden Wollmützen. Der eine schmückt sein bleiches Gesicht mit einem kleinen rotblonden Ziegenbart. In der Hand: Vanillemilch-Plastikflaschen von Müllermilch. Themen: "Kneipe" - original dieses Wort fällt, "Disco", "Freunde" und "Frauen". Mustergültige Repräsentanten einer Lad-Spezie. Protagonisten eines Mike Leigh Films. Bestes Indiz für das Fortbestehen genretypischer Kleidung in den allerdiversesten Kontexten. Gernau die gleichen jungen Herren sitzen auch in der Pizzeria Toni in der Paderborner Marienstraße - da kommen sie allerdings entweder aus Polen oder dem Vereinigten Königreich. Immer wieder erstaunlich wie maßstabsgetreu vor allem osteuropäische männliche Jugendliche Kurzhaarschnitte, Kleidung und Attitüde von der englischen Arbeiterklassejugend übernommen haben.

P.S. Natürlich auch der herrlichste Hinweis darauf, dass sich so ein Jahreswechsel gar nicht auswirkt. Auf nichts. Außer auf den Kalender. Und 2005? "The end of the something i did not want to end, Begining of hard times to come. But something that was not meant to be is done, And this is the start of what was." So ungefähr. Komprimiert von Mike Skinner - noch ein lad.

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