klatsch in die Hände beweg deine Hüften und tanz den Mussolini

Normalerweise wäre ich nach drei Zeilen Lektüre dieser Intro-Rezension schreiend weggerannt. Wäre. Wäre. Wäre weil zeitgleich nämlich OVER AND OVER (LOST AND FOUND) der besprochenen CLAP YOUR HANDS SAY YEAH aus dem Lautsprecher prukelte. Und - wieso auch immer - funktionierte der Text. Was ähm allerdings an der Musik liegen muss. Wow. Keine Ahnung wie das in fünf Minuten ist, aber im Moment: groß und gut. endlich. mal.
"I heard it from a friend. The revolution never happened." Scheiß doch auf Freunde. Und am besten auch noch auf die Revolution. Ich will tanzen. Wer glücklich ist, mag eine dumme Sau sein, wie Rasmus Engler an anderer Stelle in diesem Heft zuletzt schrieb. Aber eine glückliche dumme Sau. Lass mich noch ein Mal diesen Traum der alten Indiegitarre träumen. Die mit den kleinen draufgeklebten Sternen. Und gib mir eine durchgeschlagene Bassdrum. Gib mir einen Synthesizer. Oder auch zwei. Gib mir eine Mundharmonika. Gib mir Gitarren. Und dann noch mehr Gitarren. Gib mir die geil nervige Stimme von Alec Ounsworth - und die Revolution beginnt jetzt. Wer braucht schon einen Vertrieb, wenn er 12.000 CDs aus seiner Wohnung in Brooklyn raus verkauft? Wer braucht ein Label, wenn man auch alles selbst machen kann? Wer braucht Promotion, wenn man eine Tastatur bedienen kann? Doch das ist mehr als Alec from the Blog. Das ist kein "Internetphänomen", von dem die Fachzeitschriften wie Stern oder Brigitte hierzu demnächst schreiben werden, nur weil die Band über das Netz bekannt geworden ist. Und vor allem ist es keine Talking-Heads-Revival-Band. Kein Abklatsch von Arcade Fire. "You look like David Bowie but you've nothing new to show me." Komm, wir tanzen mit klingelnden Blumenfeld-Gitarren die ganze Nacht durch. Erzählen uns lila Details vom Krieg, sammeln die zerdepperten Stücke unserer kleinen Herzen auf und retten uns. Aber frag mich dann nicht, wie es weitergeht. Ich lebe schließlich auch zum ersten Mal."
viktor kral - 18. Feb, 13:24